Vor 100 Jahren, im Dezember 1909 wurde mit dem Teufen des Kalischachtes Neu Sollstedt nahe Utterode, in der Gemarkung Rehungen begonnen. Aus diesem Anlass möchten wir an den heute verfüllten Schacht erinnern.
Gründung der Gewerkschaft Neu Sollstedt
Die Landwirtschaft und Handweberei bestimmtem in den vergangenen Jahrhunderten das Leben der Menschen in unserer Gegend. In fast jedem der Rehunger Häuser stand, in der größten Stube des Hauses, ein Handwebstuhl. Hier webte der Familienvater von morgens bis in die Nacht Leinen, Kattun oder Plüsch. Die ganze Familie, auch die Kinder, die meist Spulen drehten, waren in die Arbeit eingespannt. Der kärgliche Verdienst reichte kaum zum Leben. Wer einen
Morgen Land sein Eigen nannte, konnte ein Schwein und eine Ziege füttern und so die Versorgung der Familie verbessern. Mit der zunehmenden Industrialisierung wurde der Verdienst noch geringer. In der Mitte der 19.Jahrhunderts hatte der Kalibergbau in Deutschland Einzug gehalten.
Man bohrte, wo Buntsandstein zutage trat. So entstanden Kaliwerke bei Halberstadt, Braunschweig und im Werragebiet. Um die Jahrhundertwende wurden dann im Sollstedter Gebiet von internationalen Bohrgesellschaften Bohrungen durchgeführt. Nach der Gründung der Kaliwerke Sollstedt blieben die guten Produktionsergebnisse von Sollstedt kein Geheimnis in der Kaliindustrie. Sie waren Anlass für weitere Bohrungen bei der ehemaligen Oberförsterei Utterode Gründer der Gewerkschaft Neu-Sollstedt war die Deutsche Tiefbohr-Aktiengesellschaft. Die Gründung erfolgte am 15.6.1906. Aufgrund der Verleihungsurkunde des Königlichen Oberbergamtes Halle wurden dieser Bohrgesellschaft im August 1907 die Bergwerksfelder zur Gewinnung von Salzen verliehen. Es wurden insgesamt acht Bohrungen bis ins Steinsalz ausgeführt, davon vier bis ins Kali, nämlich die Bohrungen in Rehungen I, Friedrichsrode I, Rehungen IV und Helbetal IV. Die tiefste Bohrung wurde im Helbetal bis auf 856 Meter vorgetrieben.
Nach einem Flächenaustausch mit dem Schmidmann-Schacht in Sollstedt hatte das Abbaufeld eine gute Form und eine Fläche von 14 288 115 Quadratmetern. Mit dem eigentlichen Abteufen des Schachtes der Gewerkschaft Neu-Sollstedt konnte erst am 3. Dezember 1909 begonnen werden. Für Landkauf, Pojektierungsarbeiten und den weiteren Ausbau des Schachtes waren umfangreiche Gelder notwendig geworden, welche den früheren Beginn der Abteufarbeiten erschwerten.
Quellen: Geschichte des VEB Kaliwerk "Karl Marx" Sollstedt Verlag Tribüne 1970
B. Buchholz
Brauchtumsgruppe des Heimatvereins
OT Rehungen