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Rückblick d.Bürgermeisters |
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| Rückblick d.Bürgermeisters anlässlich seiner
Verabschiedung durch den Gemeinderat
am 13.07.2010 um 19.00 Uhr in der Festhalle v. Sollstedt |
Sehr geehrter Herr Landrat J. Claus!
Sehr geehrte Damen u. Herren u. Bürgermeister!
Werte Mitglieder des Gemeinderates! Werter Herr Vorsitzender!
Verehrte Gäste, liebe Freunde! Sehr verehrter Ehrenbürger Pfarrer G.Höfert...
Auch in Namen meiner Frau bedanke ich mich für diese Einladung zur heutigen GR-Sitzung.
Danken möchte ich allen die mir heute die Ehre mit Ihrer Anwesenheit erweisen.
Daß der Gemeinderat nach Beschl. d.HFA meine Verabschiedung mit einer Sondersitzung vorgesehen hat war für mich keinesfalls zu erwarten! Dafür herzlichen Dank!!
Ich möchte meine letzte Rede vor d. GR und vor Ihnen liebe Anwesende dazu nutzen Ihnen aus sehr persönlicher Sicht meine heutigen Empfindungen 20 Jahre nach der Herstellung der deutschen Einheit in kurz möglichster Form vermitteln. Ich werde mich sehr bemühen die Vorgabe von 15min einzuhalten!!! |
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Als 1980 in Polen die Gewerkschaft Solidarnost unter Führung v. Lech Walesa freie Gewerkschafften freie Wahlen u. Demokratie forderten war es auch für unsere Bergleute ein unüberhöhrbares Singnal.
Ich habe damals gegenüber Staats u. Parteifunktionären offen u. laut auch für
uns diese Reformen gefordert. Später las ich in meiner Stasiakte daß eben diese Funktionäre mich als „Verbrecher wie Walesa“ titulierten.
Bis zum Bezirksstaatsanwallt gingen diese Einschätzungen. Allerdings haben wir ein nur im engsten Freundeskreis geplantes Vorhaben,-
nämlich die Besetzung bzw Schließung der Grube nach einer Sonntagsnachtschicht---- aus Angst um unsere Familien verworfen.
Im Jahre 1988 durfte ich zum 80. Geburtstag meiner Großmutter erstmals in den Westen reisen .--Vermerk in m.Stasiakte dazu : “H.darf reisen. Er wird wohl dort bleiben“.--Natürlich bin ich in meine Heimat zurückgekehrt. Allerdings mit vielen Erfahrungen, Eindrücken u. Informationen über den Alltag in einer Arbeiterfamilie u.der Organisation in einer 3000 Einwohner Gemeinde mit stillgelegtem Bergwerk aber sehr vielen ehrenamtlich geführten Vereinen .-----Ja ja ,meine Neugierde –eben Neues zu erfahren und m.Neigung zum „Geistigen.Diebstahl“
Dieses Wissen /Know how über/vom Westen war mir 1990 bei meinem Amtsantritt mehr als
nützlich .Danke nach Rheinl/Pfalz und Hessen!!!-
Im Sommer 1989 wurden auch unsere Kalikumpel mutiger mit den Äußerungen ihrer Unzufriedenheit über d.Zustände in d.DDR. Besonders als wir beängstigend fest stellten wie viele besonders junge Menschen unsere Heimat in Richtung Westen verlassen wollten u.auch weggingen . |
Wir (von allen 24 Brigaden d.Kaliwerkes autorisiert) schrieben an den damaligen FDGB Vorsitzenden mit ähnlichen Forderungen nach Freien Gewerkschaften wie unsere polnischen Kollegen 1980.--Gelandet ist dieser Brief ebenfalls bei der Stasi. Aber im Kaliwerk gab es ab November 1989 d. 1. freigewählte Arbeitnehmervertretung!! Als im Sept/Okt 89 der Unmut über die Situation in der DDR immer auter wurde schlossen sich aktive Bergleute u. Mitglieder der kirchlichen Friedens-u.Umweltgruppe in Sollstedt zur Bürgeriniative Sollstedt (BIS) unter dem Dach der Kirche zusammen .
Die Friedensgebete in d. Kirchen v. Sollstedt und Nordhausen aber besonders die wöchentlichen gr. Demos auf dem August-Bebel PL in Nordhausen wurden mit vielen Sollstedtern ein Sprachrohr unserer Forderungen nach Veränderungen !!
----Sicher nicht nur für mich der vorläufige Höhepunkt in Sollstedt war die 1.Öffentliche freie Bürgerversammlung am 17.11.89 hier in der damals vollbesetzten Festhalle .
Als es dann bekannt wurde: Es gibt am 22.03.1990 die ersten freien Wahlen zur Vollkskammer d.DDR und am 6.5.90 die ersten freien Komunalwahlen entschieden wir uns als polit. Vereinigung BIS in der Komunalpolitik unserer Heimatgemeinde mitzutun. Nur wenigen war es damals klar ,daß selbst ein reformierter Sozialismus in der DDR wohl eine Utopie bleiben sollte – Die deutsche Einheit kam !!
Auch heute noch sage ich : Es war für uns alle ein Geschenk der Geschichte. Aber wie es bei vielen unerwarteten Geschenken so ist,sie können
vorher nicht ausprobiert werden. Aber wir waren wieder ein Deutschland in seiner ganzen Vielfallt u.
Unterschiedlichkeit. Das wünschen sich sicher z.B. die Koreaner ebenfallls mit einer so friedlichen Revolution.
Persönlich danke ich den Bürgerinnen u. Bürgern von Sollstedt aber auch unseren Freunden in den alten Bundesländern die bei diesem schwierigen
Einigungsprozess aktiv mitgetan u. geholfen haben .
Mit den auf mich durch die Stasi angesezten neun IM habe ich direkt u.persönlich reinen Tisch gemacht, ohne sie öffentlich zu benennen .Das war mir ein inneres Bedürfnis!!
Jeder Bürger in Ost u. West unseres Vaterlandes kann noch heute sehr froh sein, wenn er von den schmutzigen Erpressermethoden der Stasi verschont geblieben war.
Ab den 6.6.1990 bis heute war ich in einer hochmotivierten Verwaltungsmannschaft mit qualifizierter Arbeit bemüht um in unseren Heimatorten die Vorzüge der Einheit wirksam werden zu lassen u. unangenehme Begleiterscheinungen zu minimieren . Allen meinen Mitarbeiterrinnen und Mitarbeitern -auch den befristet bei uns Tätigen- gilt mein Dank und meine Anerkennung. In der errungenen und nun zu praktizierenden Demokratie- auch das wurde uns bald sehr deutlich -ist es selbst für dringendst notwendige besonders aber die unpopulären Entscheidungen schwierig notwendige Mehrheiten zu finden. |
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Besonderen Dank sage ich hier den Gemeindevertretern der sogenannten 1.Stunde nach der Wende. Ein Dankeschön an meine Frau und meine ganze Familie für das geübte Verständnis und die Toleranz mit einem sogenannten Workaholik möchte ich hier mal öffentlich loswerden.
Danke auch allen Bürgerinnen u Bürgern unserer Einheitsgemeinde für das mir gewährte Vertrauen zahlreichen Hilfen besonders auch allen Vereinen für ihre Aktivitäten aber auch für die vielen kritischen Hinweise. Unsere drei freiwilligen FW haben mir meine Arbeit sehr erleichtert. Danke!!!
Mein sicher sehr zeitaufwändiges und anstregendes politisches Engagement seit der Wende und die Verwaltungsarbeit als Bürgermeister empfand ich insgesamt als persönliche Erfüllung und meine Berufung.
Eine Frau aus unserer damaligen Bürgerbewegung hat auch meine innersten Gefühle der Wendezeit in wunderbare Verse gebracht, die ich ihnen zum
Abschluss meiner Rede gern nochmal vortragen möchte ...Eine „hohe Zeit“!!! ….“..Hochzeit...----“!!!!
Ich danke ihnen mit herzlichem „Glück auf"
Ihr Bürgermeister im Ruhestand
Jürgen Hohberg |
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Verantwortlich: Gemeindeverwaltung Sollstedt, Bürgermeister Autor: Gemeindeverwaltung - Kategorie: Aktuelles Datum: 15.07.2010 - Zeit: 09:48 Uhr |
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zusätzliche Hinweise / Tipps:
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