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Predigt zum 125. Kirchweihfest am 20.10.2002


Und sie nötigten Ihn und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Und ER ging hinein, bei ihnen zu bleiben. (Text: Luk. 24, 29)
Ehrenbürger und ehemaliger Pfarrer der Gemeinde Sollstedt, Herr G. HoefertDas Bild dazu haben wir hier in der Kirche immer vor uns: In der Mitte des Altarraums. Vor Jahren hat mir jemand ein Photo davon geschenkt.
Es zeigt den mittelalterlichen Stein, eingefasst vor 26 Jahren in Klinkerstein, auf dem Altar das Kruzifix, davor der siebenarmige Leuchter und die Bibel, rechts und links Kerzen und Blumen - und genau in der Linie das mittlere Fenster, das uns die alte Bitte darstellt: Herr, bleibe bei uns. Und wie oft haben wir da gestanden und den Kanon gesungen ...

Uns ist die Geschichte von den beiden Freunden Jesu, die auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus sind, wohl bekannt, sie gehört zu den Ostergeschichten. Der Name Emmaus klingt vertraut. Das war für die Menschen, die sie zuerst hörten, ganz anders. Für sie war Emmaus ein Schreckensname. Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus berichtet, dass dort jüdische Partisanen einen römischen Konvoi überfielen. Der General, Varus hieß er, ließ de Ort umstellen und anzünden. Von den Männern ließ er keinen am Leben, Frauen und Kinder schleppten die Römer weg zur Zwangsarbeit. Das klingt wie ein Bericht aus dem 2. Weltkrieg, Namen wie Oradour oder Lidice haben sich uns tief eingeprägt. Es war der gleiche Varus, der wenige Jahre später im Teutoburger Wald in einen Hinterhalt der Germanen geriet und mit seinen Soldaten elend endete.

So verband sich schon damals die Spur der Gewalt im Nahen Osten mit Mitteleuropa. (vgl. I. Baldermann, Der Himmel ist offen, 1991, 193)

Man muss sich das schon klar machen: Hinter den Jüngern liegt begrabene Hoffnung und vor ihnen zerstörte Hoffnung. Wie hatte doch Jesus gerade neue Hoffnung entzündet, und nun: gekreuzigt, gestorben und begraben. Das am „3. Tag auferstanden“ hatten sie zwar von den Frauen gehört; doch wer konnte das glauben? Auf einmal sind sie nicht mehr allein. Da geht einer mit ihnen und führt sie zurück auf den Weg des Lebens: Musste nicht Christus das leiden um unserer Erlösung willen?! Ist das nicht die Botschaft der Psalmen und Propheten? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden, das sagt die Schrift: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Wer dieser Welt eine neue Perspektive der Hoffnung geben will, kann nur den Weg gehen, den die ersten Christen in ihrem Credo so formulierten: Christus war gehorsam bis zu Tode ... darum hat Ihn auch Gott erhört. Das lernten die beiden zwischen Jerusalem und Emmaus. Was für ein Begleiter, dessen Fragen nicht lähmen, sondern den glimmenden Docht wieder brennen lassen! Doch dann kommt der Abend, die Schatten werden länger, sie erreichen die ersten Häuser des Ortes. Und da die Bitte: Herr, bleibe bei uns! Und ER bleibt bei ihnen, sie reden, sie essen und trinken, ER spendet ihnen das Mahl und den Segen. Da gehen ihnen die Augen auf und über. Sie erkennen, wird da bei ihnen war und bleibt, auch wenn sie ihn nicht mehr sehen.

Zu jedem will ER kommen, der Herr in Brot und Wein. Doch wer Ihn aufgenommen, soll selber Bote sein. So werden die Emmausjünger zu Boten der Hoffnung und der Freude. Was mögen die Verantwortlichen unserer Gemeinde vor gut 90 Jahren wohl gemeint haben, dass sie das Emmaus-Evangelium mit dieser Bitte an den Herrn zum Motiv des mittleren Fensters machten? Wir können sie nicht mehr fragen. Wir können in den Bauakten Einigens über die Verhandlungen mit der Quedlinburger Glasmalerei Ferdinand Müller erfahren; wir können im Protokollbuch Beschlüsse des GKR nachlesen; aber das wäre nur vordergründige Antworten. Bleibt die Frage offen, so ist das unsere Chance eine eigen Antwort zu suchen. Dabei müssen wir beachten, dass hier nicht Jesus Menschen auffordert, bei Ihm zu bleiben, wie das in Seinen Reden oft geschieht: Bleibet in Mir, wie Ich in euch ... Bleibet in Meiner Rede, dann seid ihr Meine rechten Jünger ... oder bei der Passion: Bleibet hier und wachet mit Mir!

Nein, hier sind es die Jünger, die Ihn bitten: Bleibe bei uns! Sie wollen die Gelegenheit nicht verpassen, dass ER bei ihnen einkehrt. Ich könnte jetzt an das erinnern, was ich über Jesu Besuch bei Zachäus vor 5 Jahren hier sagte: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren! Was ist diesem Hause Heil wider fahren! Von der Kirchweih 1877 an bis zur 100-Jahr-Feier am 16.10.1977 und dem 25.10.1989, jener großen Bürgerversammlung nach dem Friedensgebet, bis heute. Kirchengebäude begegnen uns als Stationen auf dem Wege, den der Herr Seine Gemeinde durch die Zeiten führt. Geschichte spricht uns an als Lebensraum, aus dem wir kommen. Sie fragt uns nach der Lebensgestaltung, die wir heute verantworten. Sie erinnert uns zugleich an Vergänglichkeit und Beständigkeit und immer hatten Sollstedter und ihre Gäste - jedenfalls seit 1913 - dieses Bild vor Augen mit der Bitte: Herr, bleibe bei uns!


Vor 100 Jahren, als diese Kirche 25 Jahre alt war, bestimmte die Kirche das Leben der Menschen. Der Gutsbesitzer war Kirchenpatron und der Pfarrer Schulinspektor. Auf der Marienburg wurde im Beisein des Kaisers die Marienkirche eingeweiht.

1927 musste ein Gesetz zum Schutz der Republik verlängert werden, sonst wäre der Kaiser vielleicht zurückgekommen? So hatten sich die Zeiten geändert.

Mit dem Ende des Staatskirchentums 1918 wurde die Säkularisierung deutlich, auch in Sollstedt gab es Kirchenaustritte, die Kirchenbücher können das bekunden. War das die Folge des Versagens der Kirche gegenüber der Arbeiterschaft von 1914?

Im Juni 1927 tagte in Königsberg der Dt. evgl. Kirchentag, so nannte man damals sie Synode der evgl. Landeskirchen. Dort gab es einzelne warnende Stimmen gegenüber der Radikalisierung, auch des kirchlichen Lebens, zwischen rechts und links 1952. Wir Älteren können uns gut daran erinnern: Auch in diesem Kirchenkreis gab es einen kirchlichen Aufbruch, nicht zuletzt durch den Zuzug der ostdeutschen Flüchtlinge. Es gab auch wieder Kirchenaustritte auf Grund des äußeren Drucks: Am 02. Januar reiste Pfr. Niemöller nach Moskau, um mit dem stellvertretenden SU-Außenminister Sorin über die deutschen Kriegsgefangenen-Rückkehr zu sprechen, 3 Jahre vor Adenauer.

Im Februar beschließt der Bundestag mit 204 gegen 156 Stimmen den deutschen Beitrag zur westlichen Aufrüstung und prompt kündigt die DDR-Regierung die Errichtung der 5-km-Sperrzone, den Aufbau der Volksarmee und die Gründung von LPGen an.

Wir Älteren können uns an noch vielmehr erinnern, aber auch an engagierte Gemeindearbeit mit Christenlehre, Bibelstunden und Bibelwochen, Kirchen- und Posaunenchor u. a.

1977. Einige Monate nach dem Tod von P. Brüsewitz und der Ausweisung Biermanns aus der DDR ermutigte auch uns Freiheitszeugnisse wie die „Charta 77“ aus Tschechien und der Besuch von „Constanz Unitas“ aus Prag Ende April mit 48 Gemeindegliedern. Im Mai hören wir von de Überfall der Molukken auf einen Zug und eine Schule in Gronigen. Sie wollten inhaftierte Landsleute freipressen. Wir ahnten damals nicht, dass zehn Jahre später die Besuch der Assener uns erfreuen und stärken würden! Überhaupt war 1977 ein ökumenisches Jahr. Im September besuchten uns zum ersten Male Gäste aus Tansania, sie sprachen so gut deutsch, dass es schnell Kontakt miteinander gab. Ins Gästebuch schrieb Christine Mtango „Gott segne Euch. Lasst uns immer verbunden bleiben. Asante sana.“ Und wir sangen fröhlich mit ihr: Asante sana Jesu! Danke, Jesus, danke! Danke auch dafür, dass wir so bitten dürfen: Herr bleibe bei uns! Jesus stellte sich, als wollte ER weitergehen. Das ist der entscheidende Moment im Leben dieser beiden Jünger. Einmal kommt der Moment im Leben eines jeden Menschen, wo ER stehen bleibt und uns die Entscheidung überlässt, ob wir Ihn bitten wollen, bei uns zu bleiben, oder ob wir allein weitergehen wollen. Wer diesen Moment erlebt und sich fürs Bleiben entschieden hat, der denkt an ihn zurück mit Dank und Freude.

Er sieht Jesus vor sich stehen: Wie steht es mit dir, du Menschenkind?
Wird es dir schwer, wenn Ich fortgehe? Es ist soweit, dass Ich mich dir in Meiner Herrlichkeit offenbaren und dir ganz andere Dinge zeigen möchte, als du sie bisher gesehen hast. Dazu brauche Ich dein rückhaltloses Ja; es könnte sein, dass du dafür vieles andere aufgeben musst. Aber wenn du dich für mich entscheidest, will Ich immer bei dir bleiben nicht nur als Lehrer und Ratgeber, sondern als dein Herr und Heiland.

gez. G. Hoefert
Ehrenbürger und ehemaliger Pfarrer
der Gemeinde Sollstedt

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Verantwortlich: Gemeindeverwaltung Sollstedt, Bürgermeister 
Autor: G. Hoefert, Naumburg - Kategorie: Veranstaltungen 
Datum: 07.11.2002 - Zeit: 09:11 Uhr 



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