10 Jahre Förderverein “Soziales Zentrum” Sollstedt e.V.
[News suchen ...]


Als im Herbst des Jahres 1989 viele Bürger der DDR insbesondere in Leipzig, Berlin und anderen großen Städten, aber auch in unserer Region in der Kreisstadt Nordhausen auf dem August-Bebel-Platz auf die Straße gingen, um so ihrem großen Wunsch nach Freiheit und Demokratie, später auch ihrem Drang nach einem einheitlichen Deutschland Ausdruck und Nachdruck zu verleihen,
ahnte wohl mancher von uns nicht den vollen Umfang der vor uns stehenden tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen.

So haben insbesondere viele verantwortungsbewußte Sollstedter Bürger, die sich seit Oktober 1989 in der Bürgerinitiative Sollstedt (BIS) zusammengefunden hatten, nach vollzogener Wiedervereinigung festgestellt, daß viele staatliche Strukturen der sozialen Betreuung der DDR im System der sozialen Marktwirtschaft keinen Fortbestand haben konnten. Vielmehr bedurfte die erforderliche Reorganisation von fundierter aber mit öffentlichen Mitteln geförderter Sozialarbeit vieler ehrenamtlicher Initiativen. Als die staatlich gestützte und gesteuerte Volkssolidarität in Sollstedt als Verein weg brach, bestand akuter Handlungsbedarf, um zuerst natürlich die Betreuung der älteren aber auch von sozial schwachen Bürgern in Sollstedt sicherzustellen. Dies erkannte der Bürgermeister und wurde entsprechend tätig.

Nach einigen Vorbereitungsverantstaltungen insbesondere im Kreise der Mitglieder der BIS unter Vorsitz von Frau Gerda Leidel mit dem Bürgermeister Herrn Jürgen Hohberg fanden sich am 02.12.1991 im damaligen Gemeinschaftshaus der Gemeinde in der Halle-Kasseler-Straße insgesamt 24 sozialbewußte Sollstedter Bürger zu einer Gründungsversammlung zusammen. An dieser nahm der damalige Amtsleiter des Sozialamtes im Landkreis Nordhausen, Herr Döring als Gast teil.

Als Versammlungsleiter wurde von den Anwesenden der Bürgermeister Herr Hohberg gewählt. Es wurde ein vorbereiteter Satzungsentwurf beraten und einstimmig der Beschluß zur Vereinsgründung gefaßt. Das war die Geburtsstunde unseres Fördervereins “Soziales Zentrum”, der bis zur Eintragung in das Vereinsregister den Nachsatz “i.G.” - in Gründung führte.

Ein 9-köpfiger Vorstand wurde vorgeschlagen und die Kandidaten wurden anschließend als Vorstand gewählt. Alle gewählten Mitglieder nahmen die Wahl an. Die ersten Vorstandsmitglieder, von denen einige noch heute verantwortungsvolle Vorstandsarbeit leisten, waren:

* Herr Harry Metz als Vorsitzender
* Herr Wolf-Dieter Leidel (1. Beigeordneter
der Gemeinde Sollstedt) als 1. Stellvertreter
* Herr Dr. Meyer als 2. Stellvertreter
* Herr Otto Barth als Schatzmeister
* Frau Helma Mertens als Schriftführerin

und als Besitzer:

* Frau Brigitte Barth
* Herr Pfarrer Gottfried Höfert
* Herr Heinrich Märcz
* Herr Thomas Kunze

Anmeldung des neu gegründeten Vereins beim Vereinsregister, seine Eintragung ins Vereinsregister und die Bewerbung um Mitgliedschaft und Aufnahme als Mitglied in den Paritätischen Wohlfahrtsverband waren weitere wichtige Stationen im Leben des jungen Vereins.

Mit der Bereitstellung des während der DDR-Zeit als Kinderkrippe genutzten gemeindeeigenen Grundstücks Halle-Kasseler-Str. 81 und nach mit ca. 400 TDM an Fördermitteln aus verschiedenen Quellen finanziertem Umbau, war die räumliche Basis geschaffen. Ältere, vor allem alleinstehende und andere bedürftige Sollstedter Bürger besuchten nun diese neue Begegnungsstätte einzeln oder fanden sich zu Interessengruppen in unserem Haus zusammen.

Im Laufe der Zeit wurden weitere Geschäftsfelder in den sozialen Wirkungsbereich des Fördervereins eingeordnet:

* im Januar 1993 der Jugendclub
* mit Wirksamwerden der Pflegeversicherung im Jahre 1994 der ambulante Pflegedienst
* und ab 1997 die Kindertagesstätte.

Jeder neue Schritt der Erweiterung unserer sozialen Zuständigkeit stellte eine Herausforderung für Vorstand und beteiligte Leiterinnen und Mitarbeiter gleichermaßen dar. In guter Zusammenarbeit wurden jeweils die mit der Erweiterung verbundenen Probleme gemeistert.

Nach einer mehrjährigen Phase der Beschäftigung von Arbeitskräften im Sozialen Zentrum fast ausschließlich auf Basis von ABM sowie weiteren Fördermaßnahmen des zweiten Arbeitsmarktes gibt es jetzt in allen Einrichtungen des Vereins fest angestellte Beschäftigte, die lediglich ergänzend durch ABM bzw. SAM Maßnahmen unterstützt werden. Für die Zuweisung von in unser soziales Aufgabenprofil passenden Arbeitskräften geht unser Dank auch an alle Vermittler im Arbeitsamt Nordhausen, die für uns seit 10 Jahren tätig waren und noch sind.

Mit dem Wegfall der Zuschüsse durch das Arbeitsamt sind die Lohnkosten zum dominierenden Kostenfaktor geworden und der Betrieb der Einrichtungen unterliegt strengen wirtschaftlichen Kriterien und ökonomischen Zwängen. Im Laufe der Zeit mußten in allen Einrichtungen, auch durch Übergang zu Teilzeitarbeit, Sparpotentiale erschlossen werden, was von den Beschäftigten dankenswerter Weise verständnisvoll verkraftet wurde.

Insbesondere der Betrieb des Sozialen Zentrums setzt in der jetzigen Zeit noch mehr ehrenamtliche Initiativen voraus. So sind ab diesem Jahr durchschnittlich 5 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen im Rahmen der Aktion Ehrenamt 50 plus, die für einen Einsatz von mindestens 25 Stunden pro Monat vom Landratsamt eine geringe Aufwandsentschädigung erhalten, aktiv tätig.

Im Rechenschaftsbericht zur diesjährigen Mitgliederversammlung haben wir diese Frauen auch namentlich genannt und damit ihren Einsatz gewürdigt, ebenso wie den freiwilligen handwerklichen Einsatz von Herrn Warnecke neben seiner ebenfalls ehrenamtlichen Funktion als erster Beigeordneter der Gemeinde Sollstedt.

Außer dem Ersatz aus Altersgründen, durch Wegzug oder gar durch Tod ausgeschiedener Vorstandsmitglieder im Rahmen der zweijährigen Vorstandswahlen ist wohl die Vorstandmitgliedschaft von Amts wegen je eines Vertreters des Gemeinderates und des evangelischen Gemeindekirchenrates seit 1999 die bedeutendste Veränderung im Vorstand des Vereins. Hiermit wurde ein deutliches Zeichen für die Wertschätzung des Fördervereins in der vom Gemeinderat vertretenden politischen Gemeinde Sollstedt und der Kirchgemeinde gesetzt und Voraussetzungen für eine enge Zusammenarbeit und damit auch für die notwendige finanzielle Absicherung geschaffen.

Bei der Führung seiner Einrichtungen wurde der Förderverein regelmaßig durch Mittel u.a. aus folgenden öffentlichen Quellen gestützt:

* die Kindertagesstätte durch das Landesjugendamt Thüringen entsprechend geltender Kindertageseinrichtungsfinanzierungsverordnung

* der Jugendclub durch das Jugendamt im Landratsamt Nordhausen

* der Pflegedienst durch Fördermittel für kleine Pflegeeinrichtungen aus dem Sozialamt im
Landratsamt Nordhausen.

Wir danken an dieser Stelle den verantwortlichen Leitern der genannten Ämter für die regelmäßige Bereitstellung der zur Erfüllung unserer Sozialaufgaben dringend benötigten Mitteln.

Außerdem waren all die Jahre zur Führung der Kindertagesstätte als Pflichtaufgabe der Gemeinde und ebenso zur Führung von Sozialem Zentrum und Jugendclub als freiwillige Aufgaben beachtliche Zuschüsse aus dem Gemeindehaushalt an den Förderverein erforderlich. Entsprechend der Bedeutung des Vereins für das gemeindliche soziale Leben wurden die erforderlichen Mittel Jahr für Jahr von den Gemeinderäten sichergestellt, wofür dem Bürgermeister Herrn Hohberg unser Dank gebührt.

Für spezielle Zwecke konnten darüber hinaus mit Fürsprache des Landesverbandes des DPWV auch Sondermittel bereitgestellt werden

* aus der Alfred Herrhausenstiftung für die Anschaffung unseres PKW Opel Corsa
* auf der Lotterie Glücksspirale für den Aus- und Umbau von 3 Räumen des Sozialen
Zentrums.

Auch hierfür bedanken wir uns bei den für die Bewilligung der Mittel verantwortlichen Persönlichkeiten sowie bei der Geschäftsführung des DPWV in Neudietendorf für die erwiesene Unterstützung.

Auch dankenswerter Weise von den Kreisgerichten Nordhausen und Mühlhausen uns zugewiesene Geldstrafen für strafrechtliche Vergehen von Bürgern sind eine wesentliche Hilfe zur Finanzierung unseres Leistungsangebotes. Im Gegenzug bieten wir insbesondere straffällig gewordenen Jugendlichen dir Möglichkeit als Sanktion angeordnete gemeinnützige Arbeit in unserem Jugendclub abzuleisten.

Aus der Erkenntnis heraus, daß man erst dann Hilfe von außen im großen Stil in Anspruch nehmen soll, wenn man alle eigenen Finanzierungsquellen erschlossen hat, wurde von der vorjährigen Mitgliederversammlung eine neue Beitragsordnung erlassen, die von der bisher freiwillig wählbaren Beitragshöhe von 1, 2, 3 oder 5 DM/Monat abgeht und eine einheitliche Monatsbeitragshöhe von 4,00 DM bzw. 2,00 DM für Mitglieder mit geringem Einkommen festlegt. Das hat zu einer gewissen Differenzierung unter der von ursprünglich 24 in den zehn Jahren auf das mehr als Zehnfache angewachsenen Mitgliederzahl von 276 geführt. Während in diesem Jahr aufgenommene 34 neue und die meisten unserer bisherigen Mitglieder den Solidargedanken als den dominierenden Faktor für ihre Mitgliedschaft betrachten, werden zu Jahreswechsel 33 Mitglieder unseren Verein verlassen. Es scheint naheliegend, daß für sie der persönliche Vorteil, den eine Mitgliedschaft im Förderverein auch mit sich bringen kann, das dominierende Element war. Das stimmt uns traurig, weil doch jeder Einzelne der Unterstützung durch unseren Verein in Notsituationen sicher war und auch weiterhin sicher sein könnte.

Ich denke, ein solcher Klärungsprozeß schwächt uns nicht, er stärkt unsere Solidargemeinschaft eher. Mit einer Schar von 243 sozial bewußten Bürgern, die unserem Verein auch im neuen Jahr die Treue halten werden, sind wir eine starke Kraft zur weiteren gezielten Gestaltung des gemeindlichen sozialen Lebens in unserer Gemeinde.

Abschließend darf ich im Namen des Vorstands allen Vorstandsmitgliedern sowie allen Beschäftigten in unseren Einrichtungen für die gewissenhafte Erfüllung unserer sozialen Aufgaben in den 10 Jahren und allen Mitgliedern für ihre Vereinstreue sowie ihr bisheriges Engagement bei der Gestaltung unseres Vereinslebens herzlich Dank sagen. Gemeinsam blicken wir hoffnungsvoll in die Zukunft und freuen wir uns auf eine weiterhin erfolgreiche und interessante Vereinsarbeit.

Unseren Bürgerinnen und Bürgern wünsche ich viel Glück und gute Gesundheit im Jahr 2002.

gez. L. Werkmeister
stellv. Vors.
Förderverein “Soz. Zentrum” Sollstedt e.V.

 Newsübersicht
 Seite drucken
 Nach oben

Verantwortlich: Gemeindeverwaltung Sollstedt, Bürgermeister 
Autor: L. Werkmeister - Kategorie: Vereine/Gruppierungen 
Datum: 18.12.2001 - Zeit: 06:47 Uhr